Es ist unmöglich, ihnen zu entkommen. Via Kalenderblättern und sämtlichen Medien dieser Welt werden sie uns über die großlumige Infusionsnadel verabreicht. Nicht selten auch von redseligen Zeitgenossen, welche die eigene Weisheit und Lebenserfahrenheit unter Beweis zu stellen gedenken. Leider vergessen die meisten Sprücheklopfer, dass sie sich auf diese Weise selbst entlarven. Oder anders formuliert: sie setzen sich mit Anlauf nackt in die Nesseln – und zwar die fiesen Brennnesseln.

Man muss es so deutlich sagen: Sinnsprüche sind nichts weiter als der Ausdruck menschlicher Unfähigkeit, vielschichtige Sachverhalte in ihrer Gänze zu erfassen. Dabei ist dieses Unvermögen keine Schwäche. Es spiegelt lediglich die Komplexität menschlicher Interaktionen wider.

Selbstverständlich ist der Homo sapiens sapiens jedoch weit davon entfernt, diese Grenze zu akzeptieren. Dahinter steckt nicht weniger als der grundsätzlich nachvollziehbare Drang, unübersichtliche Sachlagen in verdauliche Häppchen zu zerlegen – Simplifizierung avanciert zum Allheilmittel. So wird ohne lange nachzudenken ein bestimmter Aspekt einer Problemstellung herausgegriffen, in vermeintlich schlaue Worte verpackt und anschließend als Gesamtlösung präsentiert. Gleichzeitig wird ein Allgemeingültigkeitsanspruch erhoben, der berechtigte Kritikpunkte einfach vom Tisch fegt.

Aber die derart beschnittene Realität lässt sich dies mitnichten gefallen. Sie pumpt sich in der Mucki-Bude auf, gräbt das Kriegsbeil aus und schlägt bei passender Gelegenheit erbarmungslos zu. Das Ergebnis: die in solchen geistigen Ergüssen Erleuchtung suchenden Heilsanwärter sitzen noch tiefer in einer braunen, übelriechenden und hygienisch bedenklichen Masse als vorher. Aber auch für diese Malaise lässt sich gewiss irgendwo der passende Sinnspruch finden.

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