Warnung: der erste Abschnitt der jeweiligen Tageszusammenfassung kann Spuren von Fiktion enthalten.

Montag

Sparwoche: Habe mir gestern Abend eine liebreizende Kollektion an Gaumenschmeichlern verschiedenster Provenienz von Drahtesel fahrenden Niedriglöhnern ankarren lassen. Entschwebte nach einer herzerwärmenden Genussorgie sabbernd und gleichsam geruchs- wie geräuschintensiv verdauend ins Fressdelirium. Kehre erst gegen 15.00 Uhr ins Hier und Jetzt zurück. Muss erschüttert zur Kenntnis nehmen, dass mich dieser Verzückungs-Feldzug insgesamt 155, 57 Euro gekostet hat. Das heißt: diese Woche ist Sparwoche. Gehe die Angelegenheit höchst strategisch an – aber erst morgen. Heute gilt meine volle Konzentration folgender Handlungs-Sequenz: ausgedehnte Keramikthron-Sitzung – Essensreste vertilgen – ausgedehnte Keramikthron-Sitzung. Und: mal gepflegt durchlüften.

Und sonst so?

• Österreich beginnt mit befristeten Kontrollen an bestimmten Grenzübergängen zu Deutschland und Italien.
• Deutschland und China unterzeichnen im Rahmen der Regierungskonsultationen Vereinbarungen zur engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Digitalisierung und Technologie.
• Nach in Kraft treten der Waffenruhe im Süden Syriens kehren mehrere Zehntausend Flüchtlinge in ihre Heimatorte zurück.
• Eritreas Präsident Afwerki und der äthiopische Regierungschef Ahmed unterzeichnen eine historische Erklärung, die den Kriegszustand zwischen beiden Ländern beendet.
• Boris Johnson legt aus Protest gegen den Brexit-Kurs von Theresa May sein Amt als britischen Außenminister nieder. Die Nachfolge des ebenfalls zurückgetreten Brexit-Ministers Davis tritt Dominic Raab an.

Dienstag

Sparwoche: Telefoniere mein Adressbuch von A bis Z durch, um mich bei Bekannten und Nachbarn zum Essen einzuladen. Werde gramgeschüttelt der Tatsache gewahr, dass die Menschen immer knauseriger werden. Erziele trotz ausgefeilter Umgarnungs-Taktik nur eine Mahlzeiten-Bereitstellungsquote von 60 Prozent. Stauche etliche ungehobelte Totalverweigerer nach allen Regeln der Kunst zusammen und drohe Vergeltungsschläge an. Mache mich dann auf den Weg zu „Sankt“ Philipp, der mir heute das Mittagessen und am Freitag das Abendessen zu spendieren gedenkt.

Und sonst so?

• Die israelische Marine fängt ein palästinensisches Schiff ab, dass die Seeblockade vor dem Gaza-Streifen durchbrechen wollte.
• Laut der Stiftung Weltbevölkerung ist die Zahl der Erdenbewohner in 2017 um 83 Millionen auf insgesamt 7,635 Milliarden gestiegen.
• China gewährt arabischen Staaten Kredite im Wert von 20 Milliarden Dollar und sagt den Palästinenser 15 Millionen Dollar Aufbauhilfe zu.
• Bundesinnenminister Horst Seehofer stellt seinen „Masterplan Migration“ vor, der unter anderen eine verstärkte Schleierfahndung an den deutschen Grenzen, mehr Abschiebehaftplätze und ein verbesserte Ausbildung sowie Ausstattung der Polizei vorsieht.

Mittwoch

Sparwoche: Komme auf meinem Weg zu dem heutigen Mittagsmahl-Tête-à-Tête zufällig an einem Geschäft vorbei, das just in diesen Minuten seine Pforten öffnet. Will hungergetrieben schnellen Fußes den Menschenauflauf passieren und den Futtertrögen entgegenstreben. Erblicke Gott sei Dank noch rechtzeitig das aufgebaute Buffet. Bremse meine in Schwung befindlichen Massen ab. Hole die für genau solche Fälle im Rucksack verstauten Plastikdosen hervor. Fülle unter den entgeisterten Blicken anwesender Party-Gäste fünf Dosen mit allerlei Köstlichkeiten. Stoße immer wieder Grunz- und andere verstörende Laute aus, um Angst bei möglichen Konfrontations-Partnern zu schüren.

Und sonst so?

• Die Mitgliedsstaaten der NATO einigen sich auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel auf eine Abschlusserklärung und die Erhöhung der Verteidigungsausgaben.
• Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Auf das Konto des NSU gehen insgesamt zehn Morde.
• Griechenland wird nach dem Ende des Rettungsprogramms künftig hinsichtlich der wirtschaftspolitischen Entwicklung verstärkt überwacht. Die EU-Kommission kündigt an, Griechenland ab dem 21. August 2018 alle drei Monate zu überprüfen.
• Deutschland wird zum wiederholten Male Ziel von Cyberattacken. Verantwortlich dafür ist laut dem Bundesamt für Verfassungsschutz eine russische Gruppierung namens „Sandworm“.

Donnerstag

Sparwoche: Ziehe heute den Joker, welchen ich mir für den Tag mit den wenigsten Generositäts-Offerten meiner Mitmenschen aufgespart habe. Mache mich um die Mittagszeit auf den Weg zur Obdachlosenspeisung. Komme dort kulinarisch ganz und gar nicht auf meine Kosten. Bringe mein Missfallen über die miserable Qualität der dargebotenen Mahlzeit deutlich vernehmbar zum Ausdruck. Ernte kein Verständnis, dafür aber ein Hausverbot.

Und sonst so?

• Großbritannien veröffentlich seine Vorstellungen über die Post-Brexit-Beziehung zur EU. Unter anderem ist vorgesehen, den Freihandel bei Gütern aufrechtzuerhalten, bei Dienstleistungen hingegen abzuschaffen. Darüber hinaus soll künftig die Personenfreizügigkeit für EU-Bürger nicht mehr gelten.
• Die Truppen des syrischen Machthabers Assad nehmen die Stadt Daraa ein. Die Rebellen hatten sich zurückgezogen, nachdem ihnen im Gegenzug für die Abgabe der Waffen freies Geleit zugesichert wurde.
• Die EU-Innenminister verständigen sich darauf, Frontex zu stärken, um die EU-Außengrenzen künftig besser schützen zu können. Darüber hinaus sollen Herkunfts- und Transitländer mit Zuckerbrot und Peitsche zur Rücknahme von Flüchtlingen bewegt werden.
• Laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz verdienen die DAX-Vorstände im Schnitt 52 mal so viel wie die Angestellten der Unternehmen.

Freitag

Sparwoche: Darbe dem Abend entgegen. Stehe Punkt 18.00 Uhr bei Philipp auf der Matte, um mich großzügig an Speis und Trank zu laben. Sehe erste Trübsal-Wolken am Horizont heraufziehen, als auch nach dreimaligem Klingeln die Tür verschlossen bleibt. Erfahre vom Nachbarn, dass Philipp gestern ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Bin zu ausgehungert, um mir die ganze Jammer-Geschichte anzuhören. Unterbreche daher abrupt den Vortrag des redseligen Nachbarn und biete an, ihm beim Abendessen Gesellschaft zu leisten – er speist wohl lieber alleine.

Und sonst so?

• Die USA klagen 12 russische Geheimdienstmitarbeiter wegen Cyberattacken während des Wahlkampfs 2016 an.
• Der UN-Sicherheitsrat verhängt ein Waffenembargo gegen den Südsudan. Diese Maßnahme soll einen Konflikt zwischen rivalisierenden Gruppen entschärfen, dem bereits zehntausende Menschen zum Opfer fielen.
• Bundesarbeitsminister Heil gibt bekannt, dass das Rentenniveau bis 2025 bei 48 % gehalten werden soll und gleichzeitig die Rentenversicherungsbeiträge nicht über 20 % steigen sollen.
• In Äthiopien sind aufgrund eines Streits um Landbesitz ca. 800.000 Menschen aus ihren Dörfern vertrieben worden.
• Bundesjustizministerin Barley schwächt ihren Gesetzesentwurf zur Mietpreisbremse auf Druck der Union ab.
• Trumps Interview für die Zeitung „The Sun“, in dem er Theresa May vorwirft, seine Ratschläge für die Ausgestaltung des Brexits übergangen zu haben, überschattet seinen Besuch in London.

Samstag

Sparwoche: Konnte mich gestern nach der unverfrorenen Ausladung von Philipp nicht beherrschen – diese wird übrigens nicht ungesühnt bleiben. Habe frustgetrieben Essen im Wert von 122,37 Euro geordert und in Rekordzeit verschlungen. Will heißen, das Budget-Loch streckt weiterhin seine übelwollenden Griffel nach mir aus. Ergo geht das Spar-Gelage nächste Woche in die zweite Runde.

Und sonst so?

• Israel und die Palästinenser einigen sich unter Vermittlung ägyptischer und weiterer internationaler Gesandter offenbar auf eine Waffenruhe für den Gaza-Streifen.
• Die UN-Vollversammlung einigt sich auf einen „Migrationspakt“, der einen internationalen Ansatz zur Bewältigung dieses Phänomens fordert. Die USA bleiben diesem Abkommen fern. Ungarn kündigt an, sich der Vereinbarung ebenfalls nicht anzuschließen.
• Frankreich und Malta erklären sich bereit, jeweils 50 von insgesamt 450 Flüchtlingen aufzunehmen, die vor der italienischen Küste auf Militärschiffen festsitzen. Italien weigert sich, die Menschen ins Land zu lassen.

Sonntag

Ruhetag

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