Warnung! Abschnitt eins der jeweiligen Tageszusammenfassung kann Spuren von Fiktion enthalten!
Montag
Reinigungs-Orgie: Diese Woche ist es wieder einmal so weit: ich grundreinige meine Gemächer und mein Behausungs-Inventar. Um diese Herkulesaufgabe stemmen zu können, bedarf es einer akribischen Vorbereitung. Mache mich also gleich nach dem Mittags-Frühstück daran den Masterplan „Residenz-Aufhübschen“ zu verfassen – genug Arbeit für einen Tag. Werde danach bei dem in unserem Wohnhaus reichlich gesäten Arbeitsscheuen-Volk vorstellig. Biete Hochprozentigen und Glimmstängel für den Fall, dass sie ihre untätigen Hintern in meine Wohnung bewegen und den Putzlappen schwingen. Erfahre trotz meines großherzigen Entlohnungsangebots nichts als unverfrorene Zurückweisung – mit solcher Mischpoke ist kein Krieg zu gewinnen. Kehre enttäuscht in meine Wohnung zurück. Gehe angesichts des ab morgen bevorstehenden Strapazen-Feuerwerks dazu über die Energietanks bis zum Anschlag zu füllen. Schaufele so lange feste sowie flüssige Errungenschaften der Nahrungsmittelindustrie in mich hinein, bis Bauch und Blase den Heldentod zu sterben drohen. Erspare mir die lästige Mühe des Weges ins Schlafzimmer und schlummere im Fernsehsessel ein.
Und sonst so?
• Griechenland erhält mit noch einmal 15 Milliarden Euro die letzte Tranche aus dem seit 2010 laufenden Hilfsprogramm.
• Die syrische Regierung bildet eine Arbeitsgruppe, welche die Rückkehr der nach UN-Schätzungen 5,6 Millionen ins Ausland geflüchteten Syrer organisieren soll.
• Im Südsudan haben Präsident Kiir und sein bisheriger Kontrahent Machar das ausgehandelte Friedensabkommen unterzeichnet.
• Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Maaßen, weist auf die von in dschihadistischen Familien aufwachsenden Kindern ausgehende Gefahr hin.
• Israel veröffentlicht Fotoaufnahmen, die den Bau einer Seesperre vor dem Gazastreifen dokumentieren. Diese soll militante Palästinenser davon abhalten, per Boot nach Israel zu gelangen.
Dienstag
Reinigungs-Orgie: Wache nach einer verdauungsbedingt unruhigen Nacht gegen dreizehn Uhr auf. Schleppe mich schlaftrunken ins Bad, um aus nördlichen und südlichen Körperöffnungen Überbleibsel des gestrigen Schmaus-Gelages an den Porzellan-Thron zu übergeben. Mache mich als dann an die Arbeit und widme meine ungeteilte Aufmerksamkeit dem Wohnzimmer. Überlege im Lichte des sich mir darbietenden Chaos kurz, eine Feuersbrunst durch meine Wohnstatt zu jagen. Erinnere mich dann aber daran, dass ich kein Herausforderungen scheuendes Weibsbild bin und packe an wie ein Mann. Bin in der Folge gut und gerne zwei Stundenzeigerumläufe damit beschäftigt, erst einmal den gröbsten Dreck zu beseitigen. Lasse leere Chips- und Gummibär-Tüten, schmutzige Pappteller und Plastikbecher, Schokopudding- und Joghurt-Umrandungen sowie fettbesudelte Pizza-Kartons ihren Weg ins Müllbeutel-Nirvana antreten. Fange vor Entzücken an zu krampfen, als ich in einem dieser Glücks-Boxen einen Salamipizza-Rest finde. Lasse mich von dem leicht gräulichen Erscheinungsbild des Wurstbelags nicht irritieren und beiße herzensfroh zu. Beende dann mein Tagwerk und widme mich angenehmeren Aktivitäten: essen und dem Huldigen des Qualitäts-Fernsehprogramms.
Und sonst so?
• Die USA wollen ab dem 23. August die Zölle gegen China ausweiten. So sollen Importe – z.B. Dampfturbinen und Eisenträger – in Höhe von 16 Milliarden Dollar mit zusätzlich 25 % Zoll belegt werden.
• In Kolumbien ist der konservative Politiker Ivan Duque als neuer Präsident vereidigt worden.
• Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung informiert darüber, dass die Zahl der offenen Stellen in Deutschland im 2. Quartal auf 1,2 Millionen gestiegen ist.
• In Israel hat eine Menschenrechtsorganisation Klage gegen das Nationalitätsgesetz eingereicht, das unter anderem Arabisch als zweite Amtssprache abschafft.
• Italien setzt die Unterstützung der libyschen Küstenwache durch das Überlassen von 12 Schiffen aus dem eigenen Bestand fort.
Mittwoch
Reinigungs-Orgie: Wohnzimmer, 2. Teil. Schlüpfe in mein bequemes Staub- und Schmutzeliminierungs-Dress bestehend aus einer Unterhose. Einen zarten und gleichsam wohltuenden Lufthauch auf meinem freien XXXL-Oberkörper spürend, stürze in mich ins Missvergnügen. Befreie die Regalwand und sonstiges exquisites Mobiliar von bösartigen Staub-Kreaturen. Unterbreche meine Arbeit lediglich dann, wenn sich wieder einmal eine Schweißpfütze unter mir zu bilden droht. Verliere während meines vierstündigen Martyriums genug Flüssigkeit, um meiner Hausratsversicherung einen Wasserschaden ohne Probleme verkaufen zu können. Gegen Ende hin mischt sich die Transpirationsflüssigkeit mit Tränen. Diese beginnen aufgrund peinigender Schmerzen, welche durch die ganz und gar Dicken-untypische Bewegungsvielfalt initiiert werden, in rauen Mengen zu fließen. Falle nach dem Ausführen des letzten Staubtuchwischers entkräftet in die weichen Arme meiner Couch – rien ne va plus. Kann mich erst nach unzähligen Minuten seligen Rastens dazu aufraffen, mein Ruhelager kurzfristig zu verlassen. Mein Magen verlangt nach dieser entbehrungsreichen Zeit nach Satisfaktion. Wer bin ich, ihm zu widersprechen…
Und sonst so?
• Die USA verhängen im Fall des früheren russischen Doppelagenten Skripal, der ebenso wie seine Tochter mit Nowitschok vergiftet wurde, Sanktionen gegen Russland.
• Aus dem Gazastreifen sind Raketen auf die südisraelische Stadt Sderot abgefeuert worden – ein Mensch wurde dabei verletzt.
• Deutschland schließt ein Rückführungsabkommen für Flüchtlinge mit Spanien. Demnach sollen alle Flüchtlinge, die an der Deutsch-österreichischen Grenze aufgegriffen werden und für deren Asylverfahren Spanien zuständig ist, dorthin zurückgebracht werden.
• China ergreift in Reaktion auf die von den USA verhängten Zölle Gegenmaßnahmen. So sollen auf Güter wie Kohle, Rohöl, Diesel und Medizintechnik im Gesamtwert von 16 Milliarden Dollar 25 % Zoll erhoben werden.
• Ein unrechtmäßig aus Mecklenburg-Vorpommern nach Afghanistan abgeschobener Asylbewerber befindet sich auf dem Rückweg nach Deutschland.
Donnerstag
Reinigungs-Orgie: Lege heute einen Tag Pause ein, um Körper und Geist nach der gestrigen Entstaubungs-Tortur gebührend zu regenerieren. Muss mich darüber hinaus dringend um ein anderes Anliegen kümmern. Die Hausverwaltung hat auf meinen dem arbeitsallergischen Hausmeister gewidmeten Beschwerde-Kanon reagiert. Leider, so muss ich Trübsal blasend zur Kenntnis nehmen, nicht so, wie es geziemend und folgerichtig wäre – eine Entlassung steht vorläufig nicht zur Debatte. Dafür ist für nächsten Mittwoch eine Aussprache zwischen Hausverwaltung, Mietervertretern und dem Delinquenten angesetzt. Fasse diesen ungeheuerlichen Affront, meinem Wunsch nicht ohne Umschweife zu entsprechen, als Kampfansage auf. Werde dieser Bagage und ihrem Günstling den Leibhaftigen auf den Pelz hetzen. Auf das sie meine durch Hitze sowie Wassereinlagerung angeschwollenen und eitrig-wunden Füße küssend um Verzeihung betteln. Aber alles zu seiner Zeit. Nun gilt es erst einmal, Leib und Seele ein Verwöhnprogramm de luxe angedeihen zu lassen. Mögen die Spiele beginnen…
Und sonst so?
• Im Jemen sind bei einem von der durch Saudi-Arabien geleiteten Militärkoalition durchgeführten Luftangriff mehrere Kinder getötet worden
• Israel fliegt erneut Luftangriffe auf den Gaza-Streifen, bei denen 18 Menschen verletzt werden.
• Kolumbien erkennt Palästina als souveränen Staat an.
Freitag
Reinigungs-Orgie: Heute nun erfährt mein Schlafgemach die Wohltat einer All-inclusive-Säuberung. Beginne damit, die mit Flecken unterschiedlichster Farbe gezeichnete Bettwäsche auszuwechseln. Auch der in die Richtung „faulig“ gehende Duftkranz des Bettzeugs spricht dafür, hier tätig zu werden. Dies gilt im Übrigen auch für meinen Schlafanzug, der sich mit der lieblichen Geruchskombination „Schweiß-Urin“ in mein Bewusstsein drängt. Mache mich anschließend daran, die Staubgeister zu vertreiben. Zum Abschluss der heutigen Reinlichkeits-Sitzung steht die mit Abstand größte Herausforderung auf dem Programm: die Schmutzwäsche-Körbe. Es gilt, die textilen Altlasten der vergangenen vier Wochen zu sortieren. Bin immer wieder überrascht, was bei diesem allmonatlichen Ritual zum Vorschein kommt. Stoße, nachdem ich mich durch mehrere Lagen gelbbefleckter weißer Unterhemden und -hosen gearbeitet habe, auf meinen sexuelles Verlangen ausdünstenden, ockerfarbenen Tanga – die Damenwelt musste allzu lange darauf warten, mich darin bewundern zu dürfen. Kann mich momentan jedoch nicht weiteren diesbezüglichen Gedankenspielen hingeben. Befreie T-Shirts und Hosen von Essensresten sowie weiteren groben Schmutzablagerungen. Mache sodann alle Kleidungskostbarkeiten abreisefertig. Verstaue sie in Koffern für den morgigen Transport in die Wäscherei. Das wars für heute.
Und sonst so?
• Laut UN-Angaben hält China etwa 1 Million Mitglieder der muslimischen Minderheit der Uiguren in Straflagern gefangen.
• Die bei den Vereinten Nationen angesiedelte Wirtschafts- und Sozialkommission für Westasien teilt mit, dass der seit sieben Jahren andauernde Bürgerkrieg in Syrien einen wirtschaftlichen Schaden von circa 388 Milliarden US-Dollar verursacht hat.
• Im Irak bleibt auch nach der Neuauszählung der Stimmzettel der Parlamentswahl das Bündnis des schiitischen Predigers al-Sadr mit 54 Sitzen stärkste Kraft.
• Bei Auseinandersetzung an der Grenze zum Gazastreifen sterben 2 Palästinenser.
Samstag
Reinigungs-Orgie: Wäschetag. Mache mich mit drei Koffern voll reinigungsdürstender Textilien per vierrädriger Miet-Kutsche auf den Weg in meine Stammwäscherei. Lasse den Taxifahrer, der hoffentlich sein Automobil besser zu lenken versteht, als er deutsch spricht, die Kleidungstransportbehälter tragen – verspreche ihm ein feudales Trinkgeld. Muss mir während der 20-minütigen Fahrt ermüdende Geschichten über die schwierige soziale Situation in seinem Heimatort in irgendeinen osteuropäischen Land kurz vor Russland anhören – das gibt Abzüge in der B-Note und zieht eine gesalzene Bonuskürzung nach sich. In der Wäscherei angekommen, werde ich von Sabine in Empfang genommen. Ihr Blick verrät mir, dass sie nicht gerade erpicht darauf ist, sich durch Berge Dicken-Absonderungen besudelter Wäsche zu wühlen. Versuche sie aufzuheitern, indem ich ihr stolz das Prunkstück meiner Dessous-Kollektion, den Tanga, präsentiere – bin mir nicht sicher, ob es funktioniert hat. Trete nach Abwicklung der geschäftlichen Details die Rückfahrt an. Bade weitere 20 Minuten in einem tiefen See voller Langeweile. Bin über das Ende der Nerven-zermalmenden Fahrt dermaßen erleichtert, dass ich mich zu einem Trinkgeld in Höhe von einem Euro hinreißen lasse. Ich hoffe, dass Plappermaul weiß sein Glück zu schätzen.
Und sonst so?
• Das vom israelischen Parlament verabschiedete Nationalitätsgesetz sorgt weiterhin für Proteste. In Tel Aviv gingen tausende arabische Israelis auf die Straße.
• Der türkische Präsident Erdogan warnt im Hinblick auf die von den USA verhängten Sanktionen davor, dass sich die Türkei anderen Partnern zuwenden könnte.
• Die Bundesregierung plant die Einrichtung einer „Agentur für Innovation in der Cybersicherheit“, um die eigenen Netzwerke künftig besser schützen zu können.
• In Bukarest sind den zweiten Tag in Folge tausende Rumänen auf die Straße gegangen, um gegen das mangelnde Engagement der regierenden Sozialisten im Kampf gegen Korruption zu demonstrieren.
Sonntag
Ruhetag