Ehrwürdig: Erdogan expliziert

Was ist passiert?

Der türkische Präsident Erdogan hat am 29. September im Rahmen der Eröffnung der Zentralmoschee in Köln auf den seiner Meinung nach in Deutschland freilaufenden Rassismus hingewiesen. Als Corpus Delicti führte der Osmanen-Monarch den Umgang mit den Balltretern Mesut Özil und Ilkay Gündogan an. Diese waren von Öffentlichkeit und Politik scharf dafür kritisiert worden, dass sie Erdogan als „meinen Präsidenten“ bezeichnet hatten. Der Lippenbartträger mit Allmachts-Feuchtträumen ergänzte, Muslime dürften hierzulande nicht länger angefeindet und zur Zielscheibe gemacht werden.

Was ist das Problem?

Gepeinigt von unbewältigten Schuldgefühlen versuchen wir, so schnell wie möglich ein Gegengift zur Neutralisierung des verabreichten Realitäts-Serums zu injizieren. Dabei sollten wir genau zuhören, was das durch und durch liebenswürdige Rumpelstilzchen vom Bosporus uns zu mitzuteilen hat.

Was sagt man dazu?

Endlich ist jemand mutig genug, das Offensichtliche beim Namen zu nennen: Deutschland ist eine Nation voller Rassisten und Muselmanen-Hasser. Insbesondere unsere türkischen Hausgenossen sehen sich immer wieder unappetitlichen Attacken ausgesetzt. Dabei unternehmen sie alles Menschenmögliche, um sich hier zu integrieren und zu gleichwertigen Mitgliedern der Gesellschaft zu werden:

 
• Sie beschenken uns mit kulinarischen Offenbarungen wie Döner, Börek, Köfte oder Baklava.
• Sie bereichern unser in Monotonie und Erstarrung badendes gesellschaftliches Kulturgut mit putziger, althergebrachter Folklore – Stichwort Ehrenmorde.
• Sie tragen zu unserem Amüsement bei, indem clowneske Deutsche türkischer Abstammung auf den Bühnen dieses Landes Klischees zelebrieren und in fabelhaft lustiger Sprachdiktion daherreden.
• Sie schwingen mit Regelmäßigkeit und staunenswerter Präzision den Demokratiehammer, indem sie zu abertausenden von den verfassungsmäßig garantierten Rechten auf Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit sowie Religionsfreiheit Gebrauch machen.
• Sie lehren uns eindrucksvoll, was Treue sowie Liebe zum Vaterland wirklich bedeutet. Sie können großherzig verzeihen, wenn der Gebieter über Land und Leute wieder einmal über die Stränge schlägt und ein paar Journalisten das Justizschwert durchs Antlitz zieht oder für massenhaften Nachschub in den Übeltäter-Verwahrungsanstalten sorgt.

Und wie danken wir es ihnen? Mit Geringschätzung, Misstrauen und Beschuldigungswut. Arglose Äußerungen über die höhere Wertigkeit des Korans gegenüber dem Grundgesetz werden zum Anlass genommen, dem Muslim-Corps Demokratieverachtung anzudichten. Eine Handvoll unverfänglicher Probe-Bespitzelungsaktionen sollen als Feigenblatt für die anvisierte, ganz und gar unverhältnismäßige Überwachung von DITIB durch den Verfassungsschutz herhalten. Massenhaftes Türkeifahnen-Wackeln und ekstatische Erdogan-Jubelchöre werden als Ausweis mangelnder Verbundenheit mit Teutonen-Land missinterpretiert.

Fazit?

Bleibt nur zu hoffen, dass uns alsbald ein Zerbröseln dieser islamfeindlich-nationalistischen Mauer beschert ist. Um diesem Ansinnen Vorschub zu leisten, sollten wir die weisheitsgetränkten Worte Erdogans – seines Zeichens Staatsführungs-Guru, Minderheiten-Freund sowie Diplomatie- und Völkerverständigungs-Koryphäe – in unsere Ohren sowie verhärteten Herzen eindringen lassen und unseren falschen Stolz begraben.