Erro ergo sum, letzter Teil

Mittels eines letzten Tiefsinn-Tauchgangs, soll dieses Thema eine Abrundung erfahren. Zu diesem Zwecke sei die geheimnisumwobene Geistesfreiheit aufs güldene Tableau gehoben. Geistesfreiheit stellt nicht nur das Manna dar, nach dem sich alle Selbstbestimmungs-Feinschmecker verzehren. Unsere Existenz erlangt offenkundig insbesondere durch sie Bedeutung sowie Geltung. Darüber hinaus manifestiert scheinbar vornehmlich sie unsere Einzigartigkeit unter allen zwei- und mehrbeinigen Planetenbewohnern. Kurzum, sie wird allenthalben hochgeschätzt. Eine dergestalt exponierte Stellung im Menschseins-Kosmos vernebelt den Blick dafür, dass sich in diesem Kontext wieder einmal unsere Eitelkeit in Realitätsleugnung ergeht. So stolziert der Mensch, gehüllt in einen aus Mystizismus gewobenen Mantel, durch seine Erdenzeit.

Schlussendlich ist dieser vorgeblich freie Geist schließlich keineswegs Herr im eigenen Haus. Im Gegenteil, er mimt vielmehr so etwas wie einen anspruchsvollen Hausgast, dem das Beste gerade genug ist. Wie ist dies zu verstehen? Der menschliche Geist repräsentiert eine Entität, die aus genetischer Disposition und der Interaktion mit der individuellen Umwelt beständig neu komponiert wird. Genauer gesagt, die „Autonomie des Geistes“ ist untrennbar gekettet an:

– anatomische Strukutren,

– neurochemische Prozesse und

– Wechselwirkungen mit dem sozialen Umfeld.

Dies bedeutet in letzter Konsequenz, dass jedes unserer Gedanken-Gewächse, jeder Ideen-Keimling, mithin alles, was wir dem freiheitsgetragenen Wirken unseres Geistes zuschreiben, lediglich das reflektiert, was sich in einem kunstfertigen Zusammenspiel von physischen und „metaphysischen“ Faktoren seinen Weg in unser Bewusstsein bahnt. Der Mensch wird dabei zum Bittsteller degradiert. Er nimmt quasi die Rolle eines Almosenempfängers seiner selbst ein. Mit der Erschaffung des „Geistes-Erzeugnisses“ hat er, zumindest willentlich, herzlich wenig zu tun. Er muss auf die gnädige sowie tätige Mitthilfe der in seinem Schädel wabernden, und dem menschlichen Geist „Obdach sowie Nahrung“ spendenden Masse hoffen.

Man kann es drehen und wenden wie man will, niemand ist völlig frei und unabhängig – weder im Denken, noch im Handeln.