30.07.2018 – 05.08.2018

Warnung! Abschnitt eins der jeweiligen Tageszusammenfassung kann Spuren von Fiktion enthalten!

Montag

Rache-Menü: Bin nach dem gestrigen Ruhetag nun voller Ehrgeiz und Tatendrang, dem renitenten Hausbesorger ein Fünf-Sterne-Vergeltungsmenü zu servieren. Allerdings: Genossin Sonne läuft weiterhin im Quäl-Modus – und die Woche ist noch lang. Mache es mir deshalb erst einmal mit einem gekühlten Gerstensaft auf meiner lufthauchdurchwebten 6-Quadratmeter-Wonnelebeninseln bequem. Lasse sodann meinen Blick durch den Hinterhof schweifen – entdecke dabei den Racheanwärter. Er geht gerade dem nach, was er Arbeit nennt. Als sich unsere Blicke kreuzen, proste ich ihm zu. Er scheint sich in seinem Überlegenheitsgefühl geradezu zu suhlen, denn er lächelt mich hochmütig an. Werde ihm diese ehrenrührige Mundwinkelstellung mit dem Schneidbrenner aus der Visage fräsen.

Und sonst so?

• US-Präsident Trump erklärt sich zu einem Treffen mit dem iranischem Staatspräsidenten Rohani bereit, um über ein – Zitat – „sinnvolles Atomabkommen“ zu verhandeln.
• In Sotschi finden Syrien-Gespräche statt, an denen Vertreter des Assad-Regimes, der Opposition und Abgesandte aus Russland, dem Iran und der Türkei teilnehmen. Themen sind unter anderem die Rückkehr von Flüchtlingen sowie der angestrebte Verfassungsgebungsprozess.
• Bisher liegen deutschen Auslandsvertretungen 30.000 Terminanfragen bezüglich des Familiennachzugs subsidiär Schutzberechtigter vor.
• Im indischen Bundesstaat Assam droht aufgrund eines neuen, vorläufigen Bürgerregisters 4 Millionen Menschen die Abschiebung nach Bangladesch.
• Anhaltende Hitze sowie Trockenheit führen zu massiven Ernteausfällen bei, Getreide, Raps, Kartoffeln, Grünfutter und bedrohen die Existenz vieler landwirtschaftlicher Betriebe.

Dienstag

Rache-Menü: Bin heute entgegen meiner liebgewonnenen Gewohnheiten sehr zeitig aufgestanden. Getreu dem Motto: „Früher Vogel fängt den Wurm.“ – und ich plane schließlich, einen besonders dicken sowie garstigen Wurm zu erhaschen. Versorge meinen imposanten Schädelinhalt mittels eines 5-Brötchen-Leberwurst-Blutwurst-Salami-Camembert-Schokocreme-Frühstücks mit der nötigen Energie, um den nun anstehenden Denk-Marathon klaglos zu bewältigen. Viereinhalb Stunden später ist es vollbracht: die Heimzahlungs-Speisefolge ist in all ihrer niederträchtigen Herrlichkeit zu Papier gebracht. Belohne mich für diese herausragende Leistung mit diversen Beseligungs-Snacks und trinke die ein oder andere wohltemperierte Maurerbrause auf meinen maliziösen Genius.

Und sonst so?

• In Simbabwe hat sich der der Kandidat der oppositionellen Partei MDC, Chamisa, zum Wahlsieger erklärt. Ein offizielles Endergebnis liegt allerdings noch nicht vor.
• Die Arbeitslosenzahl in Deutschland ist im Juli im Vergleich zum Vormonat um 49.000 auf 2.300.000 gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,1 Prozent.
• Von Januar bis Juni 2018 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland bei 14 Prozent. Dies ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Anstieg um 0,7 Prozent.
• Im Grenzort Panmunjom treffen sich hochrangige militärische Vertreter Nord- und Südkoreas, um über die Umsetzung der Vereinbarungen – wie beispielsweise die Entmilitarisierung der Grenzregion – vom Gipfeltreffen der beiden Staatschefs im April zu beraten.
• Ein Berater des iranischen Präsidenten Rohani stellte Bedingungen für das von US-Präsident Trump ins Gespräch gebrachte Treffen beider Staatschefs auf. Dazu zählen unter anderem die – Zitat – „Beendigung der Feindseligkeiten“ und die Rückkehr zum Atomabkommen.

Mittwoch

Rache-Menü: Verlasse abermals zu nachtschlafender Zeit mein lauschiges Ruhelager. Diese drastische Maßnahme ist jedoch dringend angezeigt, denn der Hauptgang meines Rache-Menüs dürstet nach Vorbereitung. Kann gerade noch rechtzeitig den Beobachtungsposten auf meinem Balkon beziehen, um den Arbeitsantritt des Hausmeisters live mitzuerleben. Registriere zu meiner Verzückung, dass er erst zehn Minuten nach Acht sein Tagwerk aufnimmt – dokumentiere dieses Eigentor per Foto mit Zeitstempel. Fertige in den folgenden Stunden weiteres Sargnagel-Bildmaterial und ein Protokoll an, in dem ich akribisch jede seiner Verrichtungen festhalte – auch sein ungeniertes Bebalzen mehrerer kurz-bekleideter Damen. Zudem finden auch alle Pausen und sonstigen Arbeitsunterbrechungen sekundengenau Eingang in dieses Dokument der Vernichtung. Das Ergebnis ist noch desaströser für ihn, als ich es mir erträumt habe – fühle den Henker in mir Freudentänze aufführen.

Und sonst so?

• Die USA verhängen als Reaktion auf die Strafverfolgung des amerikanischen Pastors Brunson Sanktionen gegen den türkischen Justizminister, Gül, und Innenminister, Soylu.
• Das Bundeskabinett einigt sich auf Maßnahmen, durch die 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege geschaffen werden sollen. Zusätzlich soll künftig der der Pflegekräftebedarf an Krankenhäusern genau definiert werden.
• Die Importe von Sojabohnen aus den USA in die EU sind stark angestiegen. Damit wird eine der Bedingungen der USA erfüllt, um von weiteren Strafzöllen gegen die EU Abstand zu nehmen.
• Das Bundeskabinett bringt einen Gesetzentwurf auf dem Weg, nach dem anerkannte Asylbewerber bei der Prüfung des Widerrufs ihres Schutzstatus mitwirken müssen.
• Die Übernahme des deutschen Maschinenbauers Leifeld Metal Spinning durch chinesische Investoren ist aufgrund einer Veto-Drohung der Bundesregierung geplatzt.
• Flüchtlinge mit subsidiären Schutz in Deutschland können ab heute wieder Familienangehörige nachholen. Pro Monat dürfen bundesweit maximal 1000 Menschen im Rahmen dieser Regelung einreisen.
• In Bayern nehmen 7 Ankerzentren den Betrieb auf. In diesen Einrichtungen sind alle im Asylverfahren entscheidungsrelevanten Behörden vor Ort. So soll es ermöglicht werden, die Verfahrensdauer zu verkürzen und Abschiebungen zu beschleunigen.

Donnerstag

Rache-Menü: Serviere heute die Vorspeise. Passe drei Stück Nachbars-Nachwuchs ab. Biete ihnen Taler satt, für den Fall, dass sie meinem Widersacher ein Kummer-Armageddon bereiten. Empfehle ihnen, sich schlichtweg so zu verhalten, wie sonst auch – dies sollte genügen, denn erfahrungsgemäß stiftet keiner mehr Verheerung, als Pöbel-Pubertierende. Platziere mich erwartungsfroh auf meinem Wohnungsaußenposten und betrachte das bunte Treiben. Werde nicht enttäuscht. Die von mir engagierten Hartz-IV-Empfänger in Ausbildung brennen ein wahres Verwüstungs-Feuerwerk ab: sie zerstören Gerätschaften, verteilen sorgsam in Haufen drapierten Grünschnitt im Gelände, urinieren in die Blumenrabatten, lassen einen Schmähungs-Regenguss auf dem Vergeltungsadressaten niedergehen. Es ist ein Fest für Augen und Ohren. Mehr kann man für fünfzehn Euro und eine Flasche Billig-Fusel nun wirklich nicht erwarten.

Und sonst so?

• Laut US-Geheimdienstkoordinator Coats versucht Russland, Einfluss auf die US-Kongresswahlen im Herbst zu nehmen.
• Das Nationale Zentrum für historisches Erinnern in Kolumbien teilt mit, dass während des 50jährigen Bürgerkriegs circa 260.000 Menschen getötet wurden und etwa 80.000 verschwanden.
• Die USA lockern die Umweltauflagen für Autos. So wird eine geplante Reduzierung des Spritverbrauchs zurückgenommen und die Elektroautoquote für die Autokonzerne gesenkt.
• Im Anschluss an erneute Attacken mittels mit brennbaren Flüssigkeiten bestückten Lenkdrachen aus dem Gaza-Streifen blockiert Israel Öl- und Gaslieferungen in das autonome Palästinensergebiet.
• Die deutschen Staatsschulen sinken unter die Marke von 2 Billionen Euro.

Freitag

Rache-Menü: Verpasse dem Hauptgang den letzten unheilvollen Schliff. Verfasse ein Schreiben, in dem ich die fristlose Kündigung dieses ungehobelten Arbeitslegasthenikers fordere. Liste darin gewissenhaft die Highlights seiner Verfehlungs-Orgie auf, wie beispielsweise überflüssige Pausen – Tropenhitze hin oder her, diese ist keine Rechtfertigung dafür, seine Pflichten zu vernachlässigen und ständig zur Trinkflasche zu greifen. Stelle alsdann das Dossier „Hausmeister“ zusammen, bestehend aus: meiner fundierten Entlassungsanordnung, sowie dem Arbeitsverweigerungs-Protokoll und den schönsten Schnappschüssen aus meiner Stasi-Gedenkaktion von Mittwoch. Schicke dieses noch am selben Tag an die Hausverwaltung. Gönne mir nach getaner Arbeit eine Jumbo-Portion Tiefgefrorenes mit Eierlikör – so lässt sich’s leben.

Und sonst so?

• Ein widerrechtlich nach Afghanistan abgeschobener Asylbewerber soll nach Deutschland zurückgeholt werden.
• In Simbabwe hat nach offiziellen Angaben der Wahlkommission Mnangagwa die Wahl mit 50,8 Prozent gewonnen. Sein größter Herausforderer, der Oppositionskandidat Chamisa, erhielt demnach 44,3 Prozent der Stimmen.
• Im Vergleich zum Juni ist die Zahl der Asylanträge in Deutschland um 14,7 Prozent auf insgesamt 15.200 gestiegen.
• Die OSZE teilt mit, das seit Jahresbeginn bei Kämpfen in der Ostukraine etwa 160 Menschen gestorben sind.
• Im Jahresbericht für 2017 der US-Klimabehörde NOAA ist verzeichnet, dass die vergangenen vier Jahre die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnung waren. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die Konzentration von Treibhausgasen ebenso wie der Meeresspiegel in 2017 einen Höchststand erreichten.

Samstag

Rache-Menü: Dessertzeit. Diese Nachspeise wird jedoch alles andere als süß und wohlschmeckend daherkommen. Gebe noch einmal den drei Verwüstungs-Koryphäen Arbeit, die mir am vergangenen Donnerstag durch die fachmännische Destruktion des Hausmeister-Mikrokosmos imponiert haben. Beauftrage sie damit, morgen und in den kommenden Wochen jeweils sonntags ein Chaos-Überraschungspaket für meinen Widersacher zu schnüren – im Falle von „beeinträchtigenden Verschmutzungen oder Zerstörungen“ ist der Besenschwinger laut Hausordnung verpflichtet, auch am Tag des Herrn zu arbeiten. Und dass er tatsächlich antanzen muss, dafür wird schon die Reinlichkeits-Gestapo – das Rentnerehepaar aus dem 5. Stockwerk – Sorge tragen. Nach knallharten Gehaltsverhandlungen willige ich zähneknirschend ein, den Ganoven 70 Euro zu zahlen. Gewiss, dieser Betrag erscheint auf den ersten Blick unverschämt hoch. Allerdings werden mir dafür sicherlich ein paar Gutmensch-Bonuspunkte zuerkannt – so viel Geld, wie ich ihnen in dieser Woche habe zukommen lassen, wird das ebenso arbeitsscheue wie -unfähige Trio in seinem Leben wohl nie wieder verdienen. Gehe zufrieden und mit dem guten Gefühl, der Jugend eine Chance gegeben zu haben, ins Wochenende.

Und sonst so?

• Russland strebt in Syrien bei den Themen Rückkehr von Flüchtlingen und Beseitigung von Minen eine Kooperation mit den USA an.
• Die von Linksfraktionschefin Wagenknecht initiierte linke Sammlungsbewegung, „Aufstehen“ nimmt ihre Arbeit auf. Ziel ist es, eine linke Mehrheit in Deutschland zu schaffen.
• Die Zahl der Wohnungen mit Mietpreisbindung für Geringverdiener ist in 2017 um 46.000 auf 1,2 Millionen gesunken.
• UN-Soldaten kehren in die Pufferzone auf den zwischen Israel und Syrien liegenden Golanhöhen zurück.

Sonntag

Ruhetag